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1. April 2017/mv

Keystone XL Pipeline

«Das wird eine wunderbare Pipeline»  

(Zitat Präsident Trump)


                                                                          Quelle Transcanada

Weil die Pipeline über die kanadisch-amerikanische Grenze führt, handelt es sich nach US-Recht um ein Projekt der Aussenpolitik, das in der freien Entscheidung des jeweiligen US-Präsidenten und seiner Regierung, ohne
inhaltliche Beteiligung des Kongresses, liegt. 
(Zitat Wikipedia) 

Die demokratische Regierung unter ex Präsident Obama hatte im November 2015 entschieden, das seit 2005 in Planung befindliche und mit rund 8 Milliarden Dollar veranschlagte Pipelineprojekt nicht zu bewilligen, ungeachtet der Tatsache, dass die Trassenführung den Forderungen des Umweltschutzes teilweise angepasst wurde (Die sog. Sandhills in Nebraska wurden umgangen). Der von Obama zur Chefsache erklärte Umweltschutz genoss von nun an absolute Priorität. Eine Zustimmung zu diesem gigantischen Projekt würde nur gewährt werden, wenn die zusätzliche CO2 Immission durch Sparanstrengungen landesweit kompensiert werden könnte.

Was ein Demokrat kann, kann auch ein Republikaner!

So einfach ist die vorherrschende Denkweise. Die spezielle US-Gesetzgebung wurde nun vom neuen Präsident angewandt, allerdings mit einer 180 Grad Wende. Das US-Staatsdepartement bewilligte am 24. März 2017 den Bau des 1900 km (auf US-Gelände verlaufend) langen Teilstückes! Der südliche Teil (in der Graphik orange, blau) wurde inzwischen bereits realisiert.

Wenn man nun den Verlauf der alten Pipeline (Keystone; braune Linie) anschaut, so fragt man sich allen Ernstes, weshalb die Konstrukteure die Form eines  rechten Winkels gewählt hatten. Ich vermute, dass so den Interessen der Ureinwohner und vor allem dem lebenswichtigen Ogallala Aquifer, dem riesigen Grundwasser Einzugsgebiet, optimal Rechnung getragen wurde. All diese Überlegungen haben heute kein Gewicht mehr. Die politisch bedeutungslose Gemeinschaft der Indianer und die stets protestierenden Umweltschützer zählten in den Augen der neuen Regierung zur quantité négligeable. Der Umweltschutz scheint keinen Stellenwert mehr zu besitzen (vgl. diverse Äusserungen). Nur wirtschaftliche Interessen stehen heute im Vordergrund. Die Wahlversprechen müssen schliesslich eingelöst werden!

Für die neue Regierung zählte nur die Erhöhung der Transportleistung um geplante 800'000 Fass Rohöl, und zwar pro Tag. Die Herkunft des schwarzen Rohstoffes war bei der Entscheidungsfindung vermutlich unerheblich. Die Ölgewinnung aus Teersand und -schiefer mit der sog. Fracking Methode gehört bekanntermassen zu der umweltunfreundlichsten Art der Ölgewinnung. Eine Studie der EPA (Umweltschutzbehörde) schätzte, dass 17% mehr CO2 mit diesen Abbaumethoden freigesetzt würden. Zudem dürfte die Gefahr der Verschmutzung des Grundwassers enorm gestiegen sein.

Dass diese Gewinnungsmethoden äusserst kostenintensiv sind interessierte die entsprechenden Behörden ebenso wenig. Produktionskostenschätzungen liegen bei über 60 USD pro barrel (159 lt.), bei einem aktuellen Ölpreis von etwa 50 USD. Damit der Entscheid sinnvoll wäre, müsste mit einem markanten Ölpreisanstieg gerechnet werden. Die weltweiten Ölförderländer werden dies zu verhindern wissen. Sie pumpen was das Zeug hält.

Ein Teil der Pipeline im Süden wurde inzwischen fertig gestellt. Präsident Trump entschied sich nun für die Realisierung des XL-Projektes. Auf dem Plan wird sie als geometrisch gerade Linie (grün) dargestellt. Gemäss Aussage gilt sie als die kostengünstigste, attraktivste Variante.  Und sie würde Jobs schaffen, zehntausende..... 

Seine Argumente stehen allerdings auf sehr wackligen Füssen.

1.
Gemäss Schätzung der  alten Regierung, sollen auf der US-Seite 3'900 neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Nach der zweijährigen Bauphase wären es aber gerade mal 35 Arbeiter, die mit der Überwachung und dem Unterhalt beschäftigt wären.

2.
Etwas verwirrend war die Tatsache, dass Präsident Trump das zu transportierende Öl als amerikanisches Öl bezeichnete. In Tat und Wahrheit stammt es aus Canada (Alberta), gewonnen mit den teuersten und umweltschädlichsten Abbaumethoden (vgl. vorher). Oder zählt er dieses Land bereits zu seinem Territorium?

3.
Transcanada Pipeline, als Bauherr und Betreiber der neuen Pipeline, zog nach Erteilung der Baubewilligung ihr Gesuch um Gewährung von Konkursprivilegien zurück. Sie hatte vorsorglicherweise einen Bankrottantrag gestellt. Es ist schwer abzuschätzen, ob es sich dabei bloss um einen Druckversuch der Betreiberfirma gehandelt hatte. Die Schlussfolgerung liegt jedoch nahe.

4.
Aussenminister Tillerson (ex ceo von Exxonmobil mit einer Abgangsentschädigung von 180 Mio USD versehen) trat nach offiziellen Angaben bei der Entscheidungsvorbereitung zwar in den Ausstand. Die Tatsache, dass sein ehemaliger Arbeitgeber, die Exxonmobil, von der neuen Transportmöglichkeit massiv profitieren würde, hinterlässt einen  schalen Nachgeschmack.

5.   
Das aus Teersand gewonnen Öl hat gemäss EPA einen erhöhten Anteil an Bitumen. Dieser Stoff ist verantwortlich für die beschleunigte Zersetzung der Metallrohre der Pipeline. Es besteht deshalb eine erhöhte Gefahr von Lecks.

6.  
Bevor das Projekt nun realisiert werden kann, müssen noch viele Genehmigungen eingeholt werden. Es handelt sich vorwiegend um Überbauungsrechte in den einzelnen Bundesstaaten. Dies wird mit Bestimmtheit viele Monate dauern. Zudem haben sich sechs Umweltschutzverbände zusammengeschlossen und klagen gemeinsam  gegen die Baugenehmigung vor Gericht.

7.
Nach Einschätzung des Unternehmens TransCanada Pipeline wird das Projekt zur Schaffung von Zehntausenden Jobs führen. Ebenso werde das wirtschaftliche Wachstum in beiden Ländern angekurbelt. Solche Prognosen des Hauptakteurs dürften eher einem Wunschdenken entspringen, solange sie nicht durch konkrete Studien abgesichert sind.


Last but not least wäre es interessant zu erfahren, inwieweit den Interessen der Urbevölkerung künftig entgegengekommen wird. Ihre Anliegen müssten eigentlich die Anliegen Aller sein. Sie repräsentieren nämlich jene Menschen, die ein viel grösseres Verständnis für die Natur aufbringen. Wir müssen ihre Kritik ernst nehmen. Stirbt die Natur, so sterben auch die Menschen!